„SAP stellt Autisten ein“

So und ähnlich lauten in letzter Zeit über die Presse und TV immer mehr solcher Meldungen

Kommentar zu den vermehrten positiv klingende Meldungen, dass SAP immer mehr Autisten einstellen möchte, um ihnen eine spezielle Chance zu geben:


Ich bin und bleibe angesichts dieser Nachrichten /Meldungen über diese speziellen Aktivitäten/Ziele von SAP sehr gespannt. Ich HOFFE HOFFE, das man dort auch merkt, das Autisten zwar Spezilisten, aber keine unermüdlichen/“besser zu (aus-)nutzenden Roboter sind. Bei der dänischen Fa. „Spezialisterne“ (Spezialisten) von Torkil Sonne, die hier wohl das Vorbild geliefert hat, ist niemand 5, oder 6 Tage die Woche am Stück tätig (wenn ich ihn richtig verstanden habe bei seinem Vortrag letztes Jahr in Deutschland im März) weil denen durch ihre jahrelange Erfahrung im Umgang mit Autisten völlig klar wurde, das die innerhalb kürzerer Zeit bei dieser speziellen sehr konzentrationsbedürftigen Arbeit so „hoch fahren“ (weil sie das auch eben können) das sie genau aus diesem Grund überwiegend alle nur durchschnittlich 4 Tage am Stück arbeiten. Danach braucht man unbedingt „frei“ weil eben diese Tätigkeit hochkonzentrativ aber eben auch anstrengend ist. Natürlich macht das eben auch besonders dazu befähigten Menschen Spass, das ist ja das tolle an der Sache. Doch wegen dieser Besonderheit darf man die Gefährdung der Überforderung dabei nicht vergessen.
Ich sage das hier dehalb, weil mich heute ein sehr engagierter Mensch zuhause anrief und fragte ob ich Interesse an einer Vollzeitbeschäftigung bei SAP hätte (nicht SAP selbst rief an, sondern jemand, der gerade dort wohl zufällig Kontakt zu einem der dafür zuständigen Ansprechpartner bekam und dachte er könne mir vermittelnd helfen).
Ich möchte hier quasi vorbeugen, das durch diese Nachrichten der Eindruck entsteht, Autisten seien neuerdings als „unermüdliche“ speziell für monotone/Roboteränliche Tätigkeiten in einer Vollzeit einzusetzen, die nicht mal für „nicht-Autisten“ in dieser Form erträglich und durchführbar wäre.
Um Himmels Willen -bitte nicht!


Ansonsten war ich über die Anfrage aber, wegen des Menschens der die Absicht hatte mir was Gutes zu tun sehr dankbar.


Auch bin ich natürlich grundsätzlich froh diese Nachrichten zu hören und verfolge sie gespannt, ich bitte eben nur bei dieser Entwicklung das von mir hier erwähnte zu bedenken – vielen Dank.

 

Bei Facebook stiess ich mit meinem Kommentar heute eine lebhafte Diskussion an, weshalb ich es dann für hier erwähnenswert hielt.

Mir wurde an anderer Stelle von Angehörigen geschildert, dass manche Autisten zu „Spitzenleistungen“aus iherer Sicht, inklusive niemals krank sein/fehlen, niemals „mosern“ über die Arbeit nur fähig sind weil im Hintergrund ein ganzer Apparat von Assistenz durch Angehörige geleistet wird.

Das ist am Arbeitsplatz dann  selbst nicht sichtbar, sondern nur das Ergebnis das ich tadellos geleistet wird. Das dafür evtl die Person jeden Tag zur Arbeit gebracht werden muss und andre Dienstleistungen die von Eltern/Angehörigen mit geleistet werden, nur damit im Grunde jemand in Ruhe seine Arbeit machen kann bleibt hier leider im Hintergrund.

VOR diesem Hintergrund ist also auch zu sehen, das solche Arbeitsangebote potentiell für Autisten eine prima Sache sind, aber man vergisst eben dabei ebenfalls oft den Hintergrund und sieht nur das was man in ihrer am Arbeitsplatz vorhandenen Präsenz wahrnehmen kann. Unter speziellen Umständen für spezielle Menschen  -mögliche Spitzenleistungen.

Die „Spitzenleister“ aber haben selbst ein Erleben übeer ihren Alltag, dass einfach mit nichts vergleichbar ist.

Damit will ich sagen das hinter den Spitzenleistungen, der speziellen Spitzenleistern, nicht nur die Möglichmachung durch das Angebot der Anbieter (z.B. SAP) steckt, die das ermöglichen sondern immer noch zu meisten Teilen vom Betroffenen selbst NOCH MAL SO VIEL GELEISTEt wird, sowie m.u. auch von seinen Angehörigen wie offensichtlich wird.

Warum sage ich das?

evtl als Hinweis für alle die gerade dabei sind Autisten als spezielle Menschen zu entdecken und zu einem „doppelten Nutzen“ im Sinne von Entdeckung einer Synergie in den Vordergrund zu stellen. Ich sage das in der Hoffnung das weitere solcher Entdecker bei Ihren Schritten dies in Zukunft mit bedenken mögen.

Was sollten sie bedenken?

Manche der Autistn haben jetzt riesige Hoffnung und übersehen dabei das AArbeitgeber zwar Möglichkeiten schaffen, aber oftmals das Entgegenkommen immer noch nicht möglich ist. Was meine ich damit?

Ein Bundesweit bekannter Arbeitgeber publiziert bundesweit über sein neues Angebot, doch Stellen sind natürlicherweise LOKAL, viele die hier neue Hoffnung bekommen stehen auf einmal vor dem Prolem, zwar das „ARBEITSPOTENTIAL“ zu haben und das KRITERIUM AUTIST zu erfüllen, doch wer denkt an Umzug? Trennung vom „Hintergrundhilfsfeld“ welches ich oben erwähnt habe. So kann es sein das ein Umzug einen zwar lokal näher bringt, was für jeden normalen/gesunden Arbeitnehmer eben völlig ausreichende erfüllte Vorraussetzung ist, aber gerade bei Autisten zu völlig neuen Herausforderungen und Hindernissen führt, von der sich Nichtbetroffene einfach nicht mal ein Bild machen können und in ihrer Vorstllung mangels Erfahrung nichts vergleichbares existiert, dass ihnen dabei helfen könnte.

Fragen sie einen Spezialisten – ich weiss wovon ich rede…;-)

Ich habe keine Ahnung wie gut die Leute von SAP informiert sind, oder ob sie gar über Fachberater/Vermittler (als Spezialisten darin, zwischen Autistischer und nicht-autistischer Welt vermitteln zu können, wie ich es beispielsweise versuche) verfügen, was brauchbar wäre.

Aber ich habe durch die Diskussion bei facebook gerade eine Ahnung davon bekommen, welche Vorstellungen, Erwartungen und Hoffnungen bei Betroffenen jetzt „losgetreten“ worden sind und fürchte hier einige „Schiffbrüche“ und Enttäuschungen, was schade bei einer so guten Idee wäre.

Ich hoffe hier nicht nur als hinderlicher „Bedenkenträger“ gegen einen guten Idee-ansatz gewirkt zu haben oder Hoffnungen zerstört zu haben, ich wollte hiermit lediglich beide Seiten noch mehr aregen, weil mannchmal eben der gute Wille beiderseits ja nicht ausreicht 😉

Vor Jahren musste ich beispielsweise eine offensichtlich gute Stelle ablehnen, weil weder Arbeitsamt noch Arbeitgeber einen Beitrag zum Umzug von Bayern nach HAmburg leisten wollten (dabei können Arbeitgeber solche Kosten sogar von der Steuer absetzen, das ARbeitsamt gab damals vor mir zwar zuu Erlauben einen Antragzu stellen, aber die Beabeitung würde ein halbes Jahr dauern, ich sollte innerhalb von 2 Wochen anfangen, und ob er dann bewilligt würde, wäre weiterhin völlig unsicher). Als „Arbeitslos gewesener“ hat man angesichts der ganzen Amts-sparmassnahmen und geschaffenen Unmöglichkeiten sich etwas anzusparen, weil aus o.g. Gründen heutzutage auf alles zugeriffen wird und zu gegriffen wurde, so das niemandem mehr aus der Arbeitslsigkeit so einfach die Möglichkeit zustünde für den Job umzuhiehen bzw das selbst zu finanzieren (man kann und „darf“ ja nix mehr ansparen etc).

So, und das eben erwähnte ist schon ein Problem für „gesunde Arbeitslose“ zu bewältigen. Man möge jetzt noch den ganzen Hintergrund dazurechnen der geleistet wird, wie ich oben erwähnte und der auf keinem Papier steht, aber ohne den hier oftmals die gute Idee und der Arbeitnehmer gar nicht zusammen kommen würden.

Was soll ich also mehr sagen?

Ich denke es ist alles gesagt, man muss sich mehr verdeutlichen in dieser Sache als man offensichtlich von der einen (Arbeitgeber) oder anderen (Arbeitnehmer) Seite hier im ersten Moment bei einer solchen Nachricht (SAP stellt Autisten ein) erfassen kann.

 

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Eine Antwort zu „SAP stellt Autisten ein“

  1. Imke schreibt:

    Ein sehr schöner Kommentar. Soweit ich weiß, arbeitet SAP in dieser Sache mit Specialisterne zusammen, insofern ist wohl damit zu rechnen, dass Arbeitsbedingungen und Bezahlung annehmbar bis gut sein werden. Aber eine „Lösung“ für alle Autisten ist ein solches Projekt eben keineswegs, und es ist irreführend, wenn es in medientypischer Verkürzung so dargestellt wird. Stimmt, die informelle familiäre Hilfe, die viele Autisten brauchen, um zu „Höchtleistungen“ fähig zu sein, wird hier gar nicht erwähnt. Machbar und wünschenswert ist ein Umzug längst nicht für jeden. Schon allein deshalb sollten Hilfen sich meiner Ansicht nach eher auf ein breiteres individuelles Angebot in der Fläche als auf derartige „Sonderveranstaltungen“ konzentrieren. Anders als in den Medien verbreitet haben längst nicht alle Autisten ihre Interessenschwerpunkte im technischen und im IT-Bereich. Und zudem stimmt es leider, dass die Hilfe, die es eigentlich geben sollte, längst nicht immer finanziert wird. Auch ich weiß von einer hochqualifizierten schwerbehinderten jungen Frau, die über ein Förderprogramm eine Stelle im wissenschaftlichen Bereich erhielt – und diese beinahe absagen musste, weil keine Stelle ihren Umzug vorfinanzieren wollte. Letztlich klappte es nur noch ganz knapp. Die Wirklichkeit sieht leider häufig anders aus als „vollmundige“ schön klingende Versprechungen.

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